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Heimladen gegen unterwegs: Was eine Urlaubsfahrt kostet

Norddeutschland nach Drenthe und zurück mit einem Enyaq: drei Varianten mit echten Säulenpreisen, Heimstrom und allen Annahmen. Zwischen 63 und 74 Euro.

Auf einen Blick

  • Beispiel: Urlaubsfahrt von Norddeutschland in die Provinz Drenthe und zurück, je rund 300 km, mit einem Škoda Enyaq iV 80 (77 kWh nutzbar). Zwei Schnellladestopps, danach zu Hause nachladen.
  • Geplant (Vattenfall InCharge an der Grenze, Fastned mit App in NL): 63,09 € für die ganze Fahrt, rund 10,52 € je 100 km.
  • Ohne Planung (erste EnBW-Säule ad hoc, Fastned mit Bankkarte): 73,83 €, rund 12,31 € je 100 km.
  • Zum Vergleich, wenn alles zu Hause geladen werden könnte: 49,33 € bei 37,0 ct/kWh Haushaltsstrom (BDEW, August 2026). Eine kWh im Akku kostet unterwegs ad hoc etwa das Doppelte.

Ich lade fast immer zu Hause. Öffentlich lade ich auf Familienfahrten, und dann stellt sich jedes Mal dieselbe Frage: Lohnt es sich, die Ladestopps zu planen, oder ist der Unterschied am Ende egal? Hier ist die Rechnung für eine typische Strecke, mit Preisen, die du nachprüfen kannst. Das Beispiel ist bewusst allgemein gehalten, die Strecke entspricht aber einer Fahrt, die viele Norddeutsche im Sommer oder Herbst machen.

Die Annahmen

Jede Zahl unten folgt aus diesen Annahmen. Wenn deine anders sind, ändern sich die Euro-Beträge, aber nicht der Rechenweg.

Annahme Wert Woher
Auto Škoda Enyaq iV 80, 77 kWh nutzbar, bis 143 kW DC Open EV Data
Strecke je Richtung rund 300 km, überwiegend Autobahn Annahme; Luftlinie über die Wegpunkte unserer Messstrecke bis Drenthe 259 km
Verbrauch 20 kWh je 100 km, also 60 kWh je Richtung Annahme mit Gepäck und Autobahntempo; Datenblattwert in Open EV Data 17,5 kWh
Start 90 % geladen, also 69,3 kWh Annahme
Ladeverluste DC 95 % Wirkungsgrad, AC zu Hause 90 % Annahmen im WATTWEG-Rechenkern
Heimstrom 37,0 ct/kWh BDEW-Durchschnitt Haushalte 2026, Datenstand 08/2026
Preise unterwegs Stand 24.10.2026, siehe Tabellen Katalog und offene Feeds

Ein Hinweis zum Heimstrom: 37,0 ct/kWh ist ein Durchschnitt für Haushalte mit 3.500 kWh im Jahr, inklusive Grundpreis und Neukundentarifen. Mit PV-Anlage oder Wärmepumpentarif ist dein Preis vielleicht deutlich niedriger. Setz deinen eigenen ein.

Der Ablauf der Fahrt

Hinfahrt. Start mit 69,3 kWh. Nach rund 200 km, kurz vor der Grenze, sind 40 kWh verbraucht, der Akku steht bei 29,3 kWh (38 %). Stopp 1: 25 kWh nachladen, auf 54,3 kWh (71 %). Die restlichen 100 km verbrauchen 20 kWh. Ankunft am Ferienort mit 34,3 kWh (45 %).

Am Ferienort laden wir in diesem Beispiel nicht. Wer dort eine Wallbox oder eine Säule am Ferienpark hat, spart den zweiten Stopp. Das gehört in deine eigene Rechnung.

Rückfahrt. Nach 100 km sind 20 kWh verbraucht, Akku bei 14,3 kWh (19 %). Stopp 2 noch in den Niederlanden: 35 kWh nachladen, auf 49,3 kWh (64 %). Die restlichen 200 km verbrauchen 40 kWh. Ankunft zu Hause mit 9,3 kWh (12 %).

Zu Hause lädst du wieder auf den Startwert: 69,3 − 9,3 = 60 kWh in den Akku.

Was an der Säule bezahlt wird

Bezahlt wird die Energie, die durch die Säule fließt, nicht die im Akku:

  • Stopp 1: 25 kWh ÷ 0,95 = 26,32 kWh an der Säule.
  • Stopp 2: 35 kWh ÷ 0,95 = 36,84 kWh an der Säule.
  • Zu Hause: 60 kWh ÷ 0,90 = 66,67 kWh am Zähler, also 66,67 × 0,37 € = 24,67 €.

Zur Ladezeit: Stopp 1 von 38 auf 71 % dauert an einer Säule ab 150 kW nach unserem Modell rund 12 Minuten, Stopp 2 von 19 auf 64 % rund 16 Minuten. Wie wir das rechnen, steht in Ladekurve verstehen.

Drei Varianten

Variante A, geplant. Stopp 1 an einer Vattenfall-InCharge-Säule an der Grenze. Im offenen Feed steht für den Standort in Bunde 0,4118 € netto, mit 19 % Umsatzsteuer 0,49 €/kWh. Das passt zur Vattenfall-Preisseite, die je Standort 0,44 oder 0,49 € nennt, gleich für alle Zahlwege und ohne Blockiergebühr. Stopp 2 an einem Fastned-Schnelllader in Drenthe mit der Fastned-App: Standardpreis in den Niederlanden 0,77 €, mit 10 % App-Rabatt 0,693 €/kWh (berechnet).

Variante B, Bankkarte. Gleiche Säulen, aber in den Niederlanden ohne App: Fastned-Standardpreis 0,77 €/kWh.

Variante C, ohne Planung. Stopp 1 an der ersten Säule, die auftaucht, im Beispiel eine EnBW-Säule. Im Feed steht dort 0,6639 € netto, also 0,79 €/kWh brutto, ad hoc mit Bankkarte. Stopp 2 wie B.

Variante Stopp 1 Stopp 2 Zu Hause Gesamt je 100 km
A geplant 26,32 × 0,49 € = 12,89 € 36,84 × 0,693 € = 25,53 € 24,67 € 63,09 € 10,52 €
B Bankkarte 12,89 € 36,84 × 0,77 € = 28,37 € 24,67 € 65,93 € 10,99 €
C ohne Planung 26,32 × 0,79 € = 20,79 € 28,37 € 24,67 € 73,83 € 12,31 €
nur zu Hause (gedacht) 120 ÷ 0,90 × 0,37 € = 49,33 € 49,33 € 8,22 €

Die Spalte „je 100 km“ ist Gesamt ÷ 6, weil die Fahrt hin und zurück 600 km hat. Jede Zeile ist auf Cent gerundet und dann addiert, so wie eine Rechnung.

Variante C hat noch einen versteckten Posten: Ad hoc läuft an dieser EnBW-Säule laut Feed eine Zeitgebühr ab Minute 30. Bei 12 Minuten Ladezeit fällt sie nicht an. Wer dort aber 40 Minuten isst, zahlt 10 Minuten × rund 0,24 € = 2,40 € dazu. Mehr dazu im Artikel Blockiergebühren.

Was die Zahlen sagen

Planung bringt 10,74 € auf dieser Fahrt, der Abstand zwischen A und C. Das ist kein Vermögen, aber der Aufwand ist klein: einmal vorher schauen, wo an der Strecke ein günstiger Betreiber steht, und eine kostenlose App installieren.

Die Bankkarte allein kostet 2,84 € mehr als die Fastned-App (B gegen A). Wer ohnehin bei Fastned lädt, nimmt die App. Wer nur einmal im Jahr in die Niederlande fährt und keine weitere App will, verliert wenig.

Ein Abo lohnt sich hier nicht. Die beiden Stopps kosten in Variante A zusammen 12,89 € + 25,53 € = 38,42 €. Ein Abo mit 5,99 € Grundgebühr müsste den kWh-Preis an genau diesen Säulen um mehr als 0,095 € senken, damit es aufgeht (5,99 € ÷ 63,16 kWh). Bei Fastned Gold in den Niederlanden sind es 0,54 € statt 0,693 € mit App, also 0,153 € Vorteil, aber nur an Stopp 2 mit 36,84 kWh: 36,84 × 0,153 € = 5,64 € Ersparnis gegen 5,99 € Gebühr. Knapp daneben. Die allgemeine Rechnung steht im Artikel Brauche ich ein Ladetarif-Abo?.

Heimladen ist der größte Hebel. Eine kWh im Akku kostet zu Hause 0,37 € ÷ 0,90 = 0,41 €, unterwegs ad hoc bei 0,79 € an der Säule 0,79 € ÷ 0,95 = 0,83 €. Das ist der Faktor 2,02. Wer am Ferienort eine Wallbox nutzen kann oder mit vollerem Akku startet, spart mehr als mit jeder Tarifwahl.

Was die Rechnung nicht enthält

  • Kälte und Gegenwind. Im Winter steigt der Verbrauch, die Ladezeit wird länger. Beides ändert die Euro-Beträge, nicht die Reihenfolge der Varianten.
  • Vorautorisierungen. Terminals reservieren vorab einen Betrag auf deiner Karte. Das ist kein Preis, aber es kann deinen Verfügungsrahmen kurz einschränken.
  • Umwege. Variante A setzt voraus, dass die günstige Säule auf der Strecke liegt. Im Beispiel liegen beide Stopps direkt an der Route. In anderen Gegenden kann ein Umweg die Ersparnis auffressen.
  • Preisänderungen. Alle Säulenpreise gelten am 24.10.2026. Ad-hoc-Preise in den Feeds können sich täglich ändern.

So machst du deine eigene Rechnung

  1. Verbrauch je 100 km aus deinem Bordcomputer, dazu Strecke, Start-Ladestand und Akkugröße.
  2. Stopps so legen, dass du mit 15 bis 20 % ankommst und nicht über 80 % lädst.
  3. An jedem Stopp: kWh im Akku ÷ 0,95 = kWh an der Säule, × Preis.
  4. Zu Hause: nachgeladene kWh ÷ 0,90 × dein Strompreis.
  5. Varianten vergleichen und nur dann ein Abo einrechnen, wenn es über die ganze Laufzeit aufgeht.

Die Reiseplanung in WATTWEG rechnet genau das für eine A-nach-B-Strecke mit drei Plänen, kostenlos: günstigster, schnellster und beste Mischung. Für jeden Stopp siehst du Ankunfts-Ladestand, kWh, Ladezeit, Gesamtpreis und wie du startest. Den Heimstrompreis gibst du einmal ein, dann steht an jeder Säule, wie viel teurer sie als zu Hause ist. Was du in den Niederlanden beim Bezahlen beachten musst, steht im Niederlande-Guide.

Häufige Fragen

Wie viel teurer ist Schnellladen unterwegs als Laden zu Hause?

Mit einem Haushaltsstrompreis von 37,0 ct/kWh (BDEW, Durchschnitt 2026) und einem typischen Ad-hoc-Preis von 0,79 €/kWh kostet eine kWh im Akku unterwegs etwa doppelt so viel wie zu Hause. Ladeverluste sind dabei eingerechnet.

Lohnt sich für eine Urlaubsfahrt ein Ladetarif-Abo?

Für zwei Ladestopps in der Regel nicht. Im Beispiel kostet die geplante Variante ohne Abo 38,42 € für beide Stopps. Ein Abo mit 5,99 € Grundgebühr müsste die Kosten dieser beiden Stopps um mehr als 5,99 € senken, und das schafft im Beispiel keines. Die Formel steht im Artikel zur Break-even-Rechnung.

Warum rechnet ihr mit 20 kWh je 100 km?

Das ist eine Annahme für Autobahnfahrt mit Gepäck im Herbst und liegt über dem Datenblattwert des Enyaq iV 80 von 17,5 kWh je 100 km in Open EV Data. Rechne mit deinem eigenen Verbrauch, die Struktur der Rechnung bleibt gleich.

Ist der Strom an der Säule mit Verlusten gerechnet?

Ja. Wir rechnen beim Gleichstromladen mit 95 Prozent Wirkungsgrad und beim Wechselstromladen zu Hause mit 90 Prozent. Du bezahlst die kWh an der Säule oder am Zähler, nicht die kWh im Akku.

Quellen

  1. BDEW-Strompreisanalyse August 2026 (Haushalte 37,0 ct/kWh, Datenstand 08/2026), BDEW
  2. Open EV Data (Fahrzeugdaten Enyaq iV 80, Datenstand 12.04.2025), KilowattApp/open-ev-data
  3. MobiData BW OCPDB (Ad-hoc-Preis EnBW, Vattenfall InCharge), MobiData BW (abgerufen 24.10.2026)
  4. Vattenfall InCharge Ladepreise Deutschland, Vattenfall (abgerufen 24.10.2026)
  5. Fastned Tarife (Länderauswahl NL), Fastned (abgerufen 24.10.2026)
  6. NDW Open Data (Fastned-Säulen in Drenthe), NDW (abgerufen 24.10.2026)
  7. WATTWEG-Rechenskript zu diesem Artikel, WATTWEG