Blockiergebühr: Wann sie greift und wie du sie vermeidest
Ab Minute 45, 60 oder 240: Wann Ladeanbieter Blockiergebühren verlangen, wie hoch sie werden und wie du sie umgehst. Mit Beispielen aus dem Tarifkatalog.
Auf einen Blick
- Eine Blockiergebühr ist ein Preis je Minute, den du zahlst, wenn dein Auto nach einer festen Zeit noch an der Säule steckt. Die AFIR erlaubt sie an Schnellladern ab 50 kW ausdrücklich (Art. 5 Abs. 4).
- Im WATTWEG-Katalog (Stand 24.10.2026) reicht der Beginn von 30 Minuten (Elli Premium an EnBW-Schnellladern) bis 360 Minuten (Aral-Tarife an fremden AC-Säulen).
- Die Höhe liegt meist bei 0,10 bis 0,15 €/min. Manche Anbieter deckeln (EnBW 12 €, EWE Go 24 €), andere nennen keine Obergrenze (ADAC e-Charge bei Fremdanbietern, Shell an eigenen Schnellladern).
- Über Nacht an einer fremden AC-Säule mit ADAC e-Charge: Von 19 bis 7 Uhr wären das (720 − 120) × 0,15 € = 90 € Blockiergebühr, zusätzlich zum Strom.
Die meisten Ärgernisse beim öffentlichen Laden kosten Zeit. Die Blockiergebühr kostet Geld, und zwar manchmal mehr als der Strom. Sie ist auch die Gebühr, die man am leichtesten übersieht: Sie steht im Kleingedruckten, sie hängt vom Tarif und vom Betreiber ab, und sie läuft weiter, während du schläfst. Hier steht, wann sie bei welchen Anbietern beginnt, wie du sie ausrechnest und wie du sie meistens ganz vermeidest.
Was die Blockiergebühr ist und warum es sie gibt
Eine Säule, an der ein volles Auto hängt, ist für alle anderen nutzlos. Betreiber verlangen deshalb nach einer Freizeit eine Gebühr pro Minute. Sie heißt je nach Anbieter Blockiergebühr, Standzeitgebühr, Standzeitzuschlag oder Parkgebühr, auf Niederländisch „blokkeertarief“, auf Englisch „idle fee“ oder „overstay fee“.
Rechtlich ist die Lage für Schnelllader ab 50 kW recht klar. Die AFIR sagt, der Ad-hoc-Preis beruht auf dem kWh-Preis, und der Betreiber „kann“ zusätzlich „eine Nutzungsgebühr als Preis pro Minute erheben, um eine lange Belegung des Ladepunkts zu verhindern“. Beides muss an der Säule stehen, bevor du startest. Eine Höchstgrenze oder eine Mindestfreizeit legt die Verordnung nicht fest. Für Vertragstarife (Ladekarten, Apps) regelt die Gebühr der jeweilige Anbieter in seinen Bedingungen.
Die wichtigste Frage im Alltag ist: Ab wann zählt die Uhr? In den Tarifen unseres Katalogs zählt sie fast immer ab Ladebeginn beziehungsweise ab dem Anstecken, nicht ab dem Moment, in dem der Akku voll ist. EnBW spricht von „4 Stunden Anschlussdauer“. Für dich heißt das: Auch ein Auto, das noch lädt, kann Blockiergebühr kosten. Das betrifft vor allem langsames AC-Laden.
Wann sie bei welchen Anbietern greift
Die Tabelle zeigt die Regeln aus unserem Katalog, jede mit Beleg auf der Anbieterseite. Stand 24.10.2026, Preise ändern sich.
| Tarif | Wo | Ab | Preis | Obergrenze | Zeitfenster |
|---|---|---|---|---|---|
| EnBW mobility+ S, M, L | alle Säulen | 240 min | 0,10 €/min | 12 € | keines genannt |
| EWE Go Ladetarif | nur Partnersäulen in DE | 240 min | 0,10 €/min | 24 € | keines genannt |
| MAINGAU Autostrom | AC | 180 min | 0,10 €/min | 12 € | keines genannt |
| MAINGAU Autostrom | DC | 60 min | 0,10 €/min | 12 € | keines genannt |
| ADAC e-Charge | fremde Säulen, AC | 120 min | 0,15 €/min | keine genannt | nicht in Kroatien |
| ADAC e-Charge | fremde Säulen, DC | 45 min | 0,15 €/min | keine genannt | nicht in Kroatien |
| Aral pulse Klassik und Extra | fremde Säulen, AC | 360 min | 0,15 €/min | keine genannt | nicht in Kroatien |
| Aral pulse Klassik und Extra | fremde Säulen, DC | 45 min | 0,15 €/min | keine genannt | nicht in Kroatien |
| Shell Recharge Basic, e-Deal | Shell-Schnelllader DE | 60 min | 0,15 €/min | keine | keines genannt |
| Elli IONITY Boost, Ultra | IONITY | 60 min | 0,10 €/min | keine genannt | nur 6 bis 22 Uhr |
| Elli Premium | DC, übrige Betreiber DE | 90 min | 0,15 €/min | keine genannt | rund um die Uhr |
| Elli Premium | AC, übrige Betreiber DE | 210 min | 0,07 €/min | keine genannt | nur 8 bis 23 Uhr |
| Elli Premium | EnBW DC | 30 min | 0,25 €/min | keine genannt | rund um die Uhr |
Keine Blockiergebühr nennen laut Katalog: Aral pulse an eigenen Säulen (auch für ADAC e-Charge), Vattenfall InCharge in Deutschland („ohne Blockiergebühr, unabhängig vom Zahlungsmittel“ laut Startseite) und EWE Go an eigenen Säulen mit dem Ladetarif.
Zwei Befunde fallen auf. Erstens widersprechen sich ADAC und Aral bei der Freizeit an fremden AC-Säulen: Der ADAC nennt 120 Minuten, die Aral-Tarifseite für Drittanbieter 360 Minuten. Wir setzen bei Mehrdeutigkeit den strengeren Wert an und zeigen den Widerspruch als Warnung. Zweitens rechnet die Beispielrechnung auf der Aral-Seite für DC mit 360 Freiminuten, obwohl die Tabelle darüber 45 Minuten nennt. Prüf im Zweifel die App vor dem Start.
Rechenbeispiele
Kurzer Kaffee am Shell-Schnelllader. Du steckst an, holst einen Kaffee, kommst nach 75 Minuten zurück. Ab Minute 60 kostet es 0,15 €/min, also (75 − 60) × 0,15 € = 2,25 €. Ärgerlich, aber überschaubar. Ohne Obergrenze wächst das allerdings weiter: nach drei Stunden wären es (180 − 60) × 0,15 € = 18 €.
Über Nacht an einer fremden AC-Säule mit ADAC e-Charge. Ankunft 19 Uhr, Abfahrt 7 Uhr, das sind 720 Minuten. Freizeit 120 Minuten, danach 0,15 €/min: (720 − 120) × 0,15 € = 90 €. Mit dem Aral-Klassik-Tarif an derselben Säule wären es laut Aral (720 − 360) × 0,15 € = 54 €. Eine Obergrenze nennen beide Tarife dafür nicht.
Hotel mit EnBW-Karte. Gleiche Nacht, 720 Minuten. Die Gebühr beginnt nach 240 Minuten, kostet 0,10 €/min und ist bei 12 € gedeckelt. Der Deckel ist nach 120 Minuten Gebühr erreicht, also sechs Stunden nach dem Anstecken. Ergebnis: 12 €.
Elli Premium an einer AC-Säule über Nacht. Ankunft 19 Uhr. Die Gebühr beginnt nach 210 Minuten, also um 22:30 Uhr, läuft aber nur von 8 bis 23 Uhr. Gezählt werden 22:30 bis 23:00 und 8:00 bis 9:00 Uhr, wenn du um 9 Uhr abfährst: 90 Minuten × 0,07 € = 6,30 €.
Zu langer Stopp an einem EnBW-Schnelllader mit Elli Premium. Elli nennt dort einen Sonderpreis von 0,83 €/kWh und eine Blockiergebühr ab 30 Minuten mit 0,25 €/min. Wer eine Stunde Mittagspause macht, zahlt (60 − 30) × 0,25 € = 7,50 € zusätzlich. Mit der EnBW-Karte selbst wäre an derselben Säule in dieser Zeit keine Blockiergebühr fällig, weil sie erst nach vier Stunden beginnt.
Diese Beispiele sind gerechnet, nicht beobachtet. Die echten Abrechnungen können anders takten (angefangene Minute, Rundung). Unsere Rechnungen liegen nachvollziehbar in der Methodik.
Wann es richtig teuer wird
Teuer wird es fast immer in zwei Situationen: über Nacht an langsamen Säulen und an Schnellladern, wenn du länger wegbleibst als geplant.
Über Nacht ist das Problem, dass AC-Laden lange dauert. Ein Auto mit 11 kW Bordlader braucht für 50 kWh rund fünf Stunden. Bei einer Freizeit von zwei oder drei Stunden ist die Gebühr fällig, obwohl das Auto noch lädt. Der Verbraucherzentrale Bundesverband beschreibt genau das: Es könne „sogar so weit führen, dass ein noch ladendes Auto um 1 Uhr nachts von einer Ladesäule entfernt werden muss, um keine Blockiergebühren zahlen zu müssen“ (vzbv, S. 7). Er fordert deshalb eine Kulanzzeit von 30 Minuten nach Ladeende und keine Blockiergebühr zwischen 22 und 6 Uhr. Das ist eine Forderung an die Politik, kein geltendes Recht.
Dazu kommt, dass dieselbe Säule je nach Karte andere Blockierregeln hat. Das Landgericht München I hat im Streit zwischen DCS und EWE Go unter anderem darüber entschieden, dass Kunden eines Ladekartenanbieters eine Blockiergebühr zahlten, die Ad-hoc-Kunden und eigene Vertragskunden nicht zahlten. Das Gericht gab laut Auto Bild (10.10.2026) DCS recht, das Urteil ist nicht rechtskräftig.
So vermeidest du die Blockiergebühr
- Vor dem Start nachsehen. An Schnellladern ab 50 kW muss die Minutengebühr an der Säule stehen. Bei Ladekarten steht sie in der App oder auf der Tarifseite. Merk dir zwei Zahlen: ab wann und wie viel.
- Wecker stellen. Rechne „Anstecken + Freizeit“ und stell den Wecker zehn Minuten früher. WATTWEG macht das als Mitteilung, mit Plus auch als Live Activity auf dem Sperrbildschirm.
- Ziel-Ladestand begrenzen. Am Schnelllader lädt das Auto ab etwa 80 Prozent deutlich langsamer. Wer bis 100 Prozent wartet, steht länger und riskiert die Gebühr. Mehr dazu im Artikel Ladekurve verstehen.
- Über Nacht die richtige Karte nehmen. Gute Wahl sind Tarife mit Deckel (EnBW 12 €), mit Nachtpause (Elli an AC) oder Betreiber ohne Blockiergebühr (Vattenfall InCharge in Deutschland laut Anbieter). Schlecht sind Tarife ohne Deckel mit kurzer Freizeit.
- Für AC eine Karte mit langer Freizeit. Wenn du an einer fremden AC-Säule über Nacht stehst, sind 360 Minuten (Aral) besser als 120 Minuten (ADAC). Die Netzseiten zeigen, welche Karte an welchem Netz welche Regeln hat.
- Abstecken, wenn möglich. Manche Autos erlauben das Freigeben des Steckers per App. Andere Fahrer werden es dir danken.
Was WATTWEG daraus macht
WATTWEG zeigt die Blockiergebühr nicht als Fußnote, sondern mit Uhrzeit: „Ab 02:14 Uhr kostet es 0,10 €/min, höchstens 12 €.“ Die Regeln kommen aus den gemeldeten Tarifen der Betreiber und aus unserem Katalog. Zeitfenster wie bei Elli rechnen wir mit, Widersprüche wie zwischen ADAC und Aral zeigen wir als Warnung und rechnen mit dem teureren Wert. Wenn eine Gebühr nicht veröffentlicht ist, steht das so da. Bei Allego zum Beispiel schreibt der Anbieter, zusätzliche Kosten „wie z. B. Overstay-Gebühren“ könnten anfallen, nennt aber keine Höhe. Dann raten wir nicht.
Die vollständigen Regeln je Anbieter findest du auf den Tarifseiten, zum Beispiel EWE Go, EnBW, Elli und ADAC e-Charge. Den Vergleich der großen Tarife inklusive Blockierregeln gibt es im Tarif-Check.
Häufige Fragen
Zählt die Blockiergebühr ab Ladeende oder ab Ladebeginn?
Bei den meisten Tarifen in unserem Katalog ab Ladebeginn beziehungsweise ab dem Anstecken. EnBW schreibt von 4 Stunden Anschlussdauer, Aral und ADAC von Freiminuten ab Beginn. Ob dein Auto noch lädt, spielt dann keine Rolle.
Gilt die Blockiergebühr auch nachts?
Das hängt vom Tarif ab. Bei Elli Boost und Ultra an IONITY läuft sie laut Tarifblatt nur von 6 bis 22 Uhr, bei Elli Premium an AC-Säulen nur von 8 bis 23 Uhr. Bei EnBW, EWE Go oder ADAC e-Charge steht keine Nachtpause in den Bedingungen.
Gibt es eine Obergrenze?
Manchmal. EnBW deckelt laut Tarifseite bei 12 € je Ladevorgang, EWE Go im Partnernetz bei 24 €. ADAC e-Charge bei Fremdanbietern und Shell an eigenen Schnellladern nennen keine Obergrenze.
Ist die Blockiergebühr erlaubt?
Ja. Die AFIR erlaubt an Schnellladern ab 50 kW ausdrücklich eine Nutzungsgebühr pro Minute, um lange Belegung zu verhindern, und verlangt, dass sie vor dem Start an der Säule angezeigt wird. Eine Höchstgrenze legt sie nicht fest.
Muss ich zahlen, wenn die Säule das Kabel nicht freigibt?
Das regeln die AGB des Anbieters. Dokumentiere den Fall mit Foto und Uhrzeit, ruf die Hotline an der Säule an und widersprich der Abrechnung schriftlich. Rechtsberatung können wir dazu nicht geben.
Quellen
- AFIR Artikel 5 Absatz 4, deutscher Wortlaut, gesetze.legal (abgerufen 24.10.2026)
- EnBW mobility+ Ladetarife, EnBW (abgerufen 24.10.2026)
- EWE Go Ladetarif, EWE Go (abgerufen 24.10.2026)
- ADAC e-Charge, ADAC (abgerufen 24.10.2026)
- Aral pulse: Tarife und Bezahlmethoden, Aral (abgerufen 24.10.2026)
- MAINGAU Autostrom, MAINGAU Energie (abgerufen 24.10.2026)
- Shell Recharge Ladetarife, Shell (abgerufen 24.10.2026)
- Elli Ladetarife (Tarifblätter, gültig ab 3.7.2026), Elli (abgerufen 24.10.2026)
- Vattenfall InCharge Deutschland, Vattenfall (abgerufen 24.10.2026)
- AFIR modernisieren, öffentliches Laden einfacher machen (Stellungnahme), Verbraucherzentrale Bundesverband (28.07.2026)
- Urteil zu Roaming-Gebühren beim Elektroauto-Laden, Auto Bild (10.10.2026)