EN (English)
Menü

Brauche ich ein Ladetarif-Abo? Die Break-even-Rechnung

Ab wie vielen kWh im Monat sich EnBW M, IONITY Power oder Elli Ultra lohnen. Mit Formel, echten Preisen aus dem Katalog und Beispielen für Gelegenheitslader.

Auf einen Blick

  • Ein Abo lohnt sich ab der Break-even-Menge: Grundgebühr ÷ Preisvorteil je kWh. Darunter zahlst du drauf.
  • Beispiele aus dem WATTWEG-Katalog, Stand 24.10.2026: EnBW M statt S ab rund 60 kWh im Monat an EnBW-Säulen. IONITY Power statt App ab rund 44 kWh im Monat an IONITY. Elli Ultra statt Boost ab rund 55 kWh im Monat an IONITY.
  • Wer sechs Schnellladungen im Jahr macht, zahlt mit einem dauerhaften IONITY-Abo mehr als ohne: 194,28 € (Motion) gegenüber 163,20 € (App ohne Abo) bei 240 kWh.
  • Für den einen Urlaubsmonat kann ein kündbares Abo trotzdem sparen: 160 kWh an IONITY kosten mit Power 77,59 €, mit der App 108,80 €.

Ladekarten-Anbieter verkaufen Abos gern mit dem niedrigsten kWh-Preis. Was dabei untergeht: Die Grundgebühr zahlst du auch in Monaten, in denen du nur zu Hause lädst. Ich lade selbst fast immer in der Garage und öffentlich nur auf Familienfahrten. Für Leute wie mich ist die ehrliche Antwort meistens: kein Abo, oder eins für genau einen Monat. Hier ist die Rechnung, damit du sie für dich selbst machen kannst.

Die Formel

Ein Abo kostet eine feste Grundgebühr G im Monat und senkt den Preis je kWh um einen Vorteil V gegenüber deiner Alternative. Die Alternative ist der Tarif, den du sonst nutzen würdest: die kostenlose Version desselben Anbieters, eine andere Karte oder der Ad-hoc-Preis mit Bankkarte.

Break-even-Menge = G ÷ V

Lädst du im Monat mehr als diese Menge an den Säulen, für die der Vorteil gilt, spart das Abo. Lädst du weniger, kostet es dich Geld.

Zwei Feinheiten entscheiden über das Ergebnis:

  1. Der Vorteil gilt fast immer nur in einem Netz. EnBW M und L sind laut Tarifseite nur an EnBW-Säulen günstiger. An fremden Säulen nennt EnBW für S, M und L dieselbe Spanne von 0,56 bis 0,89 €/kWh. Für die Rechnung zählen also nur die kWh im eigenen Netz.
  2. Der Vergleich muss fair sein. Wer IONITY Power mit dem Ad-hoc-Preis vergleicht, rechnet einen größeren Vorteil aus als jemand, der mit der kostenlosen IONITY-App vergleicht. Ich nehme immer die günstigste Alternative ohne Grundgebühr, die du ohne Aufwand hast.

Break-even für verbreitete Tarife

Alle Preise stammen aus unserem Katalog, jeder mit Beleg auf der Anbieterseite. Preise ändern sich, Stand 24.10.2026. Bei IONITY sind es „ab“-Preise: Der Preis an einer einzelnen Säule kann laut IONITY höher sein.

Abo Grundgebühr gegen Vorteil je kWh Break-even im Monat
EnBW M 5,99 € EnBW S (0,56 €) an EnBW-Säulen 0,10 € (0,46 statt 0,56) 5,99 ÷ 0,10 = 59,9 kWh
EnBW L 11,99 € EnBW S an EnBW-Säulen 0,17 € (0,39 statt 0,56) 11,99 ÷ 0,17 = 70,5 kWh
EnBW L 11,99 € EnBW M an EnBW-Säulen 0,07 € (0,39 statt 0,46) 6,00 ÷ 0,07 = 85,7 kWh
IONITY Motion 5,99 € IONITY App ohne Abo (ab 0,68 €) 0,17 € (ab 0,51) 5,99 ÷ 0,17 = 35,2 kWh
IONITY Power 11,99 € IONITY App ohne Abo 0,27 € (ab 0,41) 11,99 ÷ 0,27 = 44,4 kWh
IONITY Power 11,99 € IONITY Motion 0,10 € 6,00 ÷ 0,10 = 60,0 kWh
Elli IONITY Ultra 11,99 € Elli IONITY Boost (5,99 €, 0,53 €) 0,11 € (0,42 statt 0,53) 6,00 ÷ 0,11 = 54,5 kWh
Fastned Gold (DE) 5,99 € bis 31.10.2026 Fastned mit Karte oder App (0,69 €) 0,20 € (0,49) 5,99 ÷ 0,20 = 30,0 kWh
Aral pulse Extra 2,99 € Klassik, DC über 50 kW (0,62 €) 0,08 € (0,54) 2,99 ÷ 0,08 = 37,4 kWh
Shell e-Deal 5,99 € Basic, AC an Shell-Säulen (0,52 €) 0,13 € (0,39) 5,99 ÷ 0,13 = 46,1 kWh

Zwei Hinweise zu einzelnen Zeilen. Die Fastned-Grundgebühr von 5,99 € ist laut Fastned ein Aktionspreis bis zum 31.10.2026, der reguläre Betrag ist auf der Seite nicht beziffert. Danach steigt der Break-even. Und bei Shell gilt der e-Deal-Rabatt laut Katalog nur an Shell-Säulen in Deutschland und nur bis 400 kWh im Monat.

Zur Einordnung, was 60 kWh sind: Das entspricht grob einer Ladung von 10 auf 80 Prozent in einem Auto mit 77 kWh nutzbarer Kapazität, einmal im Monat plus etwas Rest. Wer pendelt und öffentlich lädt, kommt da leicht drüber. Wer zu Hause lädt, im normalen Monat nicht.

Beispiel 1: Gelegenheitslader mit sechs Schnellladungen im Jahr

Angenommen, du lädst im ganzen Jahr sechsmal öffentlich, jeweils 40 kWh, und zwar immer an IONITY (das macht die Rechnung einfach und ist für Autobahnfahrten realistisch). Das sind 6 × 40 = 240 kWh im Jahr.

Variante Rechnung Kosten im Jahr
IONITY App ohne Abo 240 × 0,68 € 163,20 €
IONITY Direct (ad hoc) 240 × 0,72 € 172,80 €
Motion dauerhaft 240 × 0,51 € + 12 × 5,99 € 194,28 €
Power dauerhaft 240 × 0,41 € + 12 × 11,99 € 242,28 €

Das teuerste Ergebnis ist das mit dem niedrigsten kWh-Preis. Power kostet dich hier 79,08 € mehr im Jahr als die App ohne Abo. Und das, obwohl jede einzelne Ladung günstiger ist. Die Grundgebühr frisst den Vorteil.

Beispiel 2: Der Urlaubsmonat

Jetzt dieselbe Person, aber alle Ladungen fallen in einen Monat: Sommerurlaub, viermal 40 kWh, also 160 kWh an IONITY. Das liegt deutlich über allen Break-even-Werten.

Variante (ein Monat) Rechnung Kosten
IONITY App ohne Abo 160 × 0,68 € 108,80 €
IONITY Motion 160 × 0,51 € + 5,99 € 87,59 €
IONITY Power 160 × 0,41 € + 11,99 € 77,59 €
Elli IONITY Boost 160 × 0,53 € + 5,99 € 90,79 €
Elli IONITY Ultra 160 × 0,42 € + 11,99 € 79,19 €

Power spart in diesem Monat 31,21 € gegenüber der App. Die Bedingung: Du kündigst rechtzeitig. IONITY nennt für Motion und Power, dass sie zum nächsten Rechnungsdatum kündbar sind. Bei Elli steht im Katalog eine Mindestlaufzeit von einem Monat, die Kündigungsfrist ist auf der Website mit 14 Tagen angegeben, in den Seitendaten mit einem Tag. Solche Widersprüche führen wir als Warnung auf der Elli-Tarifseite.

Ob Power oder Motion besser passt, hängt wieder an der Menge: Ab 60 kWh im Monat schlägt Power die Motion-Variante.

Beispiel 3: Niederlande, wo die Sitzung zählt

Viele niederländische Ladepässe rechnen keinen eigenen kWh-Preis, sondern geben den Preis der Säule weiter. Der Unterschied liegt in einer Gebühr je Ladevorgang. Dann zählst du für den Break-even nicht kWh, sondern Ladevorgänge.

  • ANWB Laadpas: ohne Abo 0,89 € Starttarif je Ladevorgang in den Niederlanden, mit Abo 3,99 € im Monat und kein Starttarif. Break-even: 3,99 ÷ 0,89 = 4,5 Ladevorgänge im Monat.
  • E-Flux: Flex ohne Grundgebühr mit 0,31 € je Ladevorgang im E-Flux-Netz, Comfort für 3,23 € im Monat ohne Startgebühr. Break-even im E-Flux-Netz: 3,23 ÷ 0,31 = 10,4 Ladevorgänge. E-Flux schreibt selbst, Comfort sei für „meer dan 5 laadsessies per maand“ gedacht. Außerhalb des eigenen Netzes kommen bei Flex noch 0,024 €/kWh dazu, deshalb kippt die Rechnung dort früher.

Wer zwei Wochen in Drenthe Urlaub macht und dreimal lädt, braucht kein Abo. Mehr dazu im Niederlande-Guide.

Beispiel 4: Norwegen, wo das Abo schnell aufgeht

Auch in Norwegen lässt sich das rechnen. Recharge verlangt in der App FLOW oder beim Drop-in an Schnellladern 6,79 NOK/kWh. Mit dem Abo MOVE für 69 NOK im Monat sind es 4,79 NOK/kWh. Break-even: 69 ÷ 2,00 = 34,5 kWh im Monat. Eine einzige längere Ladung reicht. Für einen Urlaubsmonat mit mehreren Stopps im Recharge-Netz ist MOVE also naheliegend, wenn du die Kündigung einplanst; eine Bindung nennt die Seite nicht. Die Länderdetails stehen im Artikel Mit dem E-Auto nach Dänemark, Schweden, Norwegen.

Was die Rechnung nicht abbildet

  • Säulenpreise je Standort. IONITY nennt Mindestpreise. Liegt der Preis an deiner Säule höher, verschiebt sich der Vorteil. WATTWEG rechnet deshalb, wo möglich, mit dem gemeldeten Preis der konkreten Säule.
  • Blockiergebühren. Abos ändern manchmal auch die Blockierregeln. Bei Elli Boost und Ultra läuft die Blockiergebühr an IONITY laut Tarifblatt nur von 6 bis 22 Uhr, bei Elli Premium an DC-Säulen rund um die Uhr. Details im Artikel Blockiergebühren.
  • Kartengebühren. Die EnBW-Karte kostet im Tarif S einmalig 9,90 €, in M und L ist die erste Karte laut Tarifkachel kostenlos. ANWB nimmt 2,95 € Versand, E-Flux 9,99 € je Karte. Wer nur die App nutzt, spart sich das.
  • Bedingungen. Manche Preise gelten nur für Neukunden (MAINGAU), nur mit Strom- oder Gasvertrag (EnBW Vorteils-Tarife, MAINGAU Vorteilspreis) oder nur mit Wohnsitz im Land (Tap Electric in den Niederlanden).

So rechnest du es für dich

  1. Schätze deine öffentlichen kWh im Monat. Wenn du es nicht weißt: Anzahl Ladungen × durchschnittliche Lademenge. Eine Schnellladung von 10 auf 80 Prozent bei 77 kWh netto sind 54 kWh im Akku, an der Säule wegen Ladeverlusten rund 57 kWh.
  2. Teile sie auf die Netze auf, an denen du tatsächlich lädst.
  3. Suche je Netz die günstigste Alternative ohne Grundgebühr, die du ohne Aufwand nutzen kannst. Die Netzseiten zeigen, welche Karte an welcher Säule was kostet.
  4. Rechne G ÷ V je Abo und vergleiche mit deiner Menge in diesem Netz.
  5. Bei Urlaubsspitzen: Abo für einen Monat abschließen, Kündigung sofort eintragen.

In WATTWEG Plus macht der Abo-Rechner genau diese Schritte mit deinen gespeicherten Ladungen. Er zählt Abos, die du schon hast, mit null Grenzkosten und rechnet die Grundgebühr nur bei neuen Tarifen anteilig ein. Das Ergebnis ist oft unspektakulär: Bankkarte und eine kostenlose App reichen. Das ist aber genau die Antwort, die dir eine Ladekarten-App selten gibt, und deshalb rechnen wir sie offen vor. Warum wir das können, steht in Warum WATTWEG nichts an deiner Ladung verdient.

Häufige Fragen

Ab wann lohnt sich ein Ladetarif mit Grundgebühr?

Wenn du im Monat mehr kWh im Netz des Anbieters lädst, als die Grundgebühr geteilt durch den Preisvorteil je kWh ergibt. Bei EnBW M gegenüber S sind das 5,99 € ÷ 0,10 € = rund 60 kWh im Monat an EnBW-Säulen (Stand 24.10.2026).

Kann ich ein Abo nur für den Urlaubsmonat abschließen?

Bei vielen Tarifen ja. IONITY Motion und Power sind laut IONITY zum nächsten Rechnungsdatum kündbar, EnBW M und L und Elli Boost und Ultra haben laut Katalog einen Monat Mindestlaufzeit. Prüfe vor dem Abschluss Kündigungsfrist und Verlängerung, bei Elli widersprechen sich die Angaben.

Ich lade fast nur zu Hause. Brauche ich überhaupt eine Ladekarte?

Nicht zwingend. An jeder öffentlichen Säule kannst du ohne Vertrag laden, an neuen Schnellladern ab 50 kW mit Bankkarte. Eine kostenlose App des Betreibers, dessen Säulen auf deinen Strecken liegen, ist meist günstiger als ad hoc und kostet keine Grundgebühr.

Zählen beim Break-even auch Ladungen an fremden Säulen?

Nur, wenn das Abo dort einen besseren Preis hat. Bei EnBW gelten die günstigeren M- und L-Preise laut Tarifseite nur an EnBW-Säulen. An fremden Säulen sind die Preise in S, M und L gleich, der Vorteil ist dort null.

Quellen

  1. EnBW mobility+ Ladetarife (Seite und Tarifkacheln, Stand 01.12.2025), EnBW (abgerufen 24.10.2026)
  2. IONITY Abonnements, IONITY (abgerufen 24.10.2026)
  3. Elli Ladetarife (Tarifblätter IONITY Boost/Ultra, gültig ab 3.7.2026), Elli (abgerufen 24.10.2026)
  4. Fastned Tarife, Fastned (abgerufen 24.10.2026)
  5. Aral pulse: Tarife und Bezahlmethoden, Aral (abgerufen 24.10.2026)
  6. Shell Recharge Ladetarife, Shell (abgerufen 24.10.2026)
  7. ANWB Laadpas en abonnement, ANWB (abgerufen 24.10.2026)
  8. E-Flux Tarieven laadpassen, E-Flux by Road (abgerufen 24.10.2026)
  9. Recharge priser Norge, Recharge (abgerufen 24.10.2026)
  10. WATTWEG-Rechenskript zu diesem Artikel, WATTWEG