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E-Auto-Urlaub in den Niederlanden: laden, bezahlen, Laadpas

Bankkarte, ANWB, E-Flux oder Tap: Wie Laden in den Niederlanden funktioniert, was Formeltarife sind und was 30 kWh je nach Weg kosten. Mit Quellen.

Auf einen Blick

  • In den Niederlanden melden fast alle Betreiber ihren Säulenpreis offen über den nationalen Datenpunkt NDW. Auf unserer Messstrecke hatten 99,1 % der Schnellladepunkte ab 50 kW einen Preis (428 von 432, Messung 24.10.2026).
  • Viele niederländische Ladepässe sind Formeltarife: Sie geben den Preis der Säule weiter und rechnen eine Start- oder Prozentgebühr dazu. ANWB ohne Abo: Säulenpreis plus 0,89 € je Ladevorgang. Tap ohne Karte: Säulenpreis plus 10 %.
  • An einer Säule mit 0,73 €/kWh kosten 30 kWh direkt mit Bankkarte 21,90 €, mit dem kostenlosen ANWB-Pass 22,79 €, mit Tap Pay-as-you-go 24,09 € (Rechnung unten, Preise Stand 24.10.2026).
  • Für einen Urlaub mit ein paar Ladungen brauchst du keinen niederländischen Pass. Bankkarte an Schnellladern und deine deutsche Karte an AC-Säulen reichen meist.

Die Niederlande sind für E-Autos das angenehmste Nachbarland, das ich kenne. Es gibt sehr viele Säulen, die Preise sind offen, und an der Autobahn stehen Schnelllader im Abstand von wenigen Kilometern. Ungewohnt ist für Deutsche vor allem die Preislogik. Dort heißt die Frage nicht „welcher Tarif kostet wie viel je kWh“, sondern „was kostet die Säule, und was schlägt mein Pass drauf“.

Wie Preise in den Niederlanden funktionieren

In Deutschland legen die meisten Ladekarten einen eigenen Preis je kWh fest. In den Niederlanden ist es oft umgekehrt: Der Betreiber der Säule setzt den Preis, und viele Ladepässe reichen ihn durch. Was sich unterscheidet, ist die Gebühr obendrauf.

Diese Gebühren gibt es im niederländischen Markt:

  • Starttarief: fester Betrag je Ladevorgang.
  • Transactiekosten: Prozentaufschlag auf den Ladevorgang.
  • Toeslag: kleiner Aufschlag je kWh, etwa außerhalb des eigenen Netzes.
  • Abonnement: Monatsgebühr, die Start- oder Prozentgebühr entfallen lässt.

Wir nennen das im Katalog Formeltarif (Klasse B). WATTWEG rechnet ihn so: Säulenpreis aus den offenen NDW-Daten × (1 + Prozentaufschlag) + kWh-Aufschlag × kWh + Startgebühr. Fehlt der Säulenpreis, ist auch der Pass-Preis unbekannt, und genau so zeigen wir es dann.

Ein Hinweis zur Steuer: An der Säule und auf den Tarifseiten stehen niederländische Preise in der Regel inklusive 21 % btw. In den offenen Daten ist das nicht einheitlich gekennzeichnet. Bei 40 % der bepreisten Schnellladepunkte unserer Messstrecke fehlte die Steuerangabe ganz. Bei Vattenfall passte die Angabe „exklusive“ zum Displaytext, bei Shell Recharge widersprach sie ihm. WATTWEG prüft die Steuerlogik deshalb je Betreiber, bevor ein Bruttopreis angezeigt wird.

Die Ladepässe im Vergleich

Alle Werte aus unserem Katalog, jeweils mit Beleg auf der Anbieterseite. Stand 24.10.2026, Preise ändern sich.

Pass Monatlich Formel in den Niederlanden Einmalig Hinweis
ANWB Laadpas ohne Abo 0 € Säulenpreis ohne Aufschlag + 0,89 € je Ladevorgang 2,95 € Versand Karte kommt per Post
ANWB Laadpas mit Abo 3,99 € Säulenpreis ohne Aufschlag, kein Starttarif; 10 % Rabatt bei Fastned 2,95 € Versand monatlich kündbar
E-Flux Flex 0 € im E-Flux-Netz Säulenpreis + 0,31 € je Ladevorgang; außerhalb zusätzlich 0,024 €/kWh, an Hubject-, Gireve- oder e-clearing-Säulen bis zu 0,48 € je Ladevorgang 9,99 € je Karte Hub-Zuschlag pro Säule nicht erkennbar
E-Flux Comfort 3,23 € ohne Starttarif und kWh-Aufschlag; an Hub-Säulen bis zu 0,48 € 9,99 € je Karte laut E-Flux für mehr als 5 Ladungen im Monat
Tap Electric Pay-as-you-go 0 € Säulenpreis + 10 % keine Karte App ohne Ladekarte
Tap Light 0 € Säulenpreis + 5 % Karte nur für Einwohner der Niederlande
Tap Roamer 2,50 € Säulenpreis + 0 % Karte nur für Einwohner der Niederlande
Vattenfall Laadpas 0 € eigene Säulen: Regionstarif je kWh, kein Start; fremde Säulen: 0,35 € je Ladevorgang + Preis in der App Karte Regionstarife siehe unten

Tap schreibt auf der Pass-Seite: „Exclusieve prijzen: Alleen voor inwoners van Nederland“. Für deutsche Urlauber kommt also realistisch nur die App ohne Karte infrage.

Rechenbeispiel: 30 kWh an einer Säule mit 0,73 €/kWh

Der mittlere erste kWh-Preis der niederländischen Schnelllader auf unserer Messstrecke lag am 24.10.2026 bei 0,73 €/kWh (Median, bei 40 % mit unklarer Steueransage). Ich nehme diesen Wert als Beispiel. Die echte Säule kann mehr oder weniger kosten.

Weg Rechnung Kosten für 30 kWh
Direkt an der Säule (Bankkarte, falls Terminal) 30 × 0,73 € 21,90 €
ANWB mit Abo 30 × 0,73 € (+ 3,99 € im Monat) 21,90 €
E-Flux Comfort, außerhalb, mit Hub-Zuschlag 21,90 € + 0,48 € 22,38 €
ANWB ohne Abo 21,90 € + 0,89 € 22,79 €
Tap Light (+5 %) 21,90 € × 1,05 23,00 €
E-Flux Flex, außerhalb, mit Hub-Zuschlag 21,90 € + 30 × 0,024 € + 0,31 € + 0,48 € 23,41 €
Tap Pay-as-you-go (+10 %) 21,90 € × 1,10 24,09 €

Die Unterschiede sind klein, solange du wenig lädst. Bei 2,19 € Unterschied zwischen Bankkarte und Tap Pay-as-you-go je Ladung lohnt es sich trotzdem, die Bankkarte zu nehmen, wo es geht. Ab etwa viereinhalb Ladungen im Monat wäre das ANWB-Abo günstiger als der kostenlose ANWB-Pass (3,99 € ÷ 0,89 €). Die Rechnung dazu steht im Artikel Brauche ich ein Ladetarif-Abo?.

Schnelllader an der Autobahn

Für Urlaubsfahrten zählen vor allem die Schnelllader. Hier gelten feste Betreiberpreise, die Pässe spielen eine kleinere Rolle.

Betreiber Preis in den Niederlanden (Stand 24.10.2026) Beleg
Fastned, Standardpreis (Karte oder App) 0,77 €/kWh Fastned
Fastned mit App-Rabatt 10 % 0,693 €/kWh (berechnet aus 0,77 € − 10 %) Fastned
Fastned Gold Member 0,54 €/kWh bei 5,99 € im Monat (Aktionsgebühr bis 31.10.2026) Fastned
Allego Pay as you go, DC 0,79 €/kWh Allego
Allego Smart (App), DC 0,69 €/kWh Allego
IONITY Direct ab 0,76 €/kWh IONITY
IONITY App ab 0,72 €/kWh IONITY

Den App-Rabatt von 10 % gibt es bei Fastned laut Tarifseite in den Niederlanden und Dänemark, nicht in Deutschland, und nur mit eigener Zahlungsmethode in der Fastned-App. Wer auf der Fahrt nach Drenthe oder Zeeland zweimal bei Fastned lädt, kann mit der App also ein paar Euro sparen, ohne Abo.

Vattenfall InCharge betreibt viele AC-Säulen in Städten und Gemeinden. Der Preis hängt dort vom Konzessionsgebiet ab. Die Vattenfall-Tabelle nennt unter anderem 0,3624 €/kWh für Gelderland und Overijssel, 0,4619 € für Den Haag und für Noord-Brabant und Limburg 0,3256 € bzw. 0,4903 €, jeweils inklusive 21 % btw. Mit der Vattenfall-Karte gibt es an eigenen Säulen keinen Starttarif, mit fremden Karten kann einer dazukommen.

Laden ohne Pass, Schritt für Schritt

  1. An Schnellladern: Bankkarte oder Handy ans Terminal. Bei Ladepunkten ab 50 kW, die seit April 2024 gebaut wurden, ist ein Kartenleser oder Kontaktlos-Gerät Pflicht (AFIR Art. 5 Abs. 1). Fastned nimmt Debit- und Kreditkarten.
  2. An AC-Säulen: Viele ältere Säulen haben kein Terminal. Dann hilft ein QR-Code an der Säule oder deine deutsche Karte. Prüfe vorher in der App deines Kartenanbieters, was sie dort kostet. Bei EWE Go etwa steht für das Ausland kein Preis auf der Tarifseite, bei ADAC e-Charge 0,75 €/kWh in den Niederlanden.
  3. Wenn du länger bleibst: Ein niederländischer Pass lohnt sich vor allem für Ferienhaus-Aufenthalte mit vielen AC-Ladungen. Bestell ihn früh genug, die Karte kommt per Post.

Was du vor der Fahrt tun kannst

  • Leg die Route über einen Fastned- oder Allego-Standort, wenn du ohnehin dort lädst. Die App-Preise sind niedriger als ohne App.
  • Schau, wer am Ferienort die AC-Säulen betreibt. Am Urlaubsort in Drenthe waren es auf unserer Messstrecke mehrere kleinere Betreiber und PowerGo mit Schnellladern. In WATTWEG siehst du den gemeldeten Preis je Säule.
  • Plan den letzten Schnellladestopp vor der Grenze. Auf der deutschen Seite haben in Ostfriesland deutlich weniger Säulen einen offenen Preis. Warum, erklärt Woher kommen Ladepreise?.

Was eine ganze Urlaubsfahrt aus Norddeutschland nach Drenthe und zurück kostet, rechnet der Artikel Heimladen gegen unterwegs mit allen Annahmen durch.

Häufige Fragen

Brauche ich für die Niederlande einen niederländischen Ladepass?

Nein. Deine deutsche Ladekarte funktioniert meist auch dort, und an neuen Schnellladern ab 50 kW kannst du laut AFIR mit Bankkarte zahlen. Tap Electric gibt seine Preise laut eigener Seite ausdrücklich nur für Einwohner der Niederlande an.

Was ist ein Starttarif?

Eine feste Gebühr je Ladevorgang, unabhängig von der Strommenge. Beim kostenlosen ANWB-Ladepass sind es in den Niederlanden 0,89 €, bei Vattenfall an fremden Säulen 0,35 €, bei E-Flux Flex 0,31 € (Stand 24.10.2026).

Sind niederländische Säulenpreise mit oder ohne Mehrwertsteuer?

An der Säule und auf den Tarifseiten der Anbieter stehen sie in der Regel inklusive 21 Prozent btw. In den offenen Daten ist das nicht immer klar: Bei 40 Prozent der bepreisten Schnellladepunkte im gemessenen Korridor fehlte die Steuerangabe.

Wie finde ich in den Niederlanden den Preis vor dem Laden?

Über den nationalen Datenpunkt NDW melden fast alle Betreiber ihren Säulenpreis. Im gemessenen Korridor hatten 428 von 432 Schnellladepunkten ab 50 kW einen auflösbaren Preis (99,1 %, Messung 24.10.2026). Apps wie WATTWEG lesen ihn dort aus.

Quellen

  1. NDW DOT-NL: Ladepunkte und Tarife (OCPI), Nationaal Dataportaal Wegverkeer (abgerufen 24.10.2026)
  2. DOT-NL FAQ, NDW
  3. ANWB Laadpas en abonnement, ANWB (abgerufen 24.10.2026)
  4. ANWB FAQ Laadpas: Hoeveel kost openbaar laden?, ANWB (abgerufen 24.10.2026)
  5. E-Flux Tarieven laadpassen, E-Flux by Road (abgerufen 24.10.2026)
  6. Tap Electric Laadpas, Tap Electric (abgerufen 24.10.2026)
  7. Vattenfall InCharge: Onze laadtarieven, Vattenfall (abgerufen 24.10.2026)
  8. Fastned Tarife, Fastned (abgerufen 24.10.2026)
  9. Allego Pricing, Allego (abgerufen 24.10.2026)
  10. IONITY Abonnements, IONITY (abgerufen 24.10.2026)
  11. AFIR Artikel 5, deutscher Wortlaut, gesetze.legal