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Woher Ladepreise kommen: offene Daten und die Lücke in DE

Mobilithek, MobiData BW, NDW und das BNetzA-Register erklärt. Und unsere Messung: In NL hatten 99 % der Schnelllader einen offenen Preis, in DE rund die Hälfte.

Auf einen Blick

  • Seit dem 14. April 2025 müssen Betreiber den Ad-hoc-Preis ihrer öffentlichen Ladepunkte kostenlos über eine Schnittstelle bereitstellen (AFIR Art. 20 Abs. 2). In Deutschland läuft das über die Mobilithek, in den Niederlanden über NDW.
  • Unsere Messung vom 24.10.2026 auf einer Strecke vom Hamburger Süden bis Zwolle: In den Niederlanden hatten 99,1 % der Schnellladepunkte ab 50 kW einen offenen Preis (428 von 432), in Deutschland 50,5 % (617 von 1.221), je nach Zählweise bis 61,3 %.
  • Die Lücke sitzt bei wenigen Betreibern. Im deutschen Teil der Strecke gehörten 250 der rund 600 preislosen Schnellladepunkte EWE Go.
  • Bundesweit führt die Auswertung von Hocsy.eu (Stand 24.10.2026) unter anderem GETEC (2.303), eze.network (2.225), Qwello (2.054), enercity (1.961) und E.ON Drive (1.438) mit Ladepunkten ohne Preis in der Mobilithek.

Ladepreise sind seit 2025 im Prinzip öffentlich. Jeder darf sie abrufen, kostenlos, ohne Vertrag mit einem Datenhändler. Das ist die Grundlage, auf der WATTWEG überhaupt funktionieren kann. In der Praxis ist das Bild durchwachsen. Hier erkläre ich, welche Quellen es gibt, was in ihnen steht und was nicht, und wie wir gemessen haben, wie viel tatsächlich ankommt.

Was die AFIR vorschreibt

Die EU-Verordnung über die Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR) macht in Artikel 20 eine Datenpflicht. Betreiber öffentlicher Ladepunkte müssen statische und dynamische Daten „kostenfrei verfügbar“ machen. Zu den dynamischen Daten zählen Betriebszustand, Verfügbarkeit und der Ad-hoc-Preis. Dafür richten sie eine Schnittstelle (API) ein, die „freien und uneingeschränkten Zugang“ bietet, und melden sie dem nationalen Zugangspunkt.

Seit dem 14. April 2026 gilt dafür ein einheitliches Format (DATEX II). Statische Daten sollen spätestens 24 Stunden nach einer Änderung aktuell sein, dynamische wie der Preis spätestens nach einer Minute (NDW-Dokumentation).

Was die Pflicht nicht umfasst: Preise von Ladekarten und Apps. Die AFIR verlangt von Kartenanbietern in Artikel 5 Absatz 5, dass sie dir alle Preisbestandteile vor dem Laden elektronisch zeigen, aber keinen offenen Datensatz. Deshalb pflegen wir die Kartenpreise selbst, mit Beleg, im offenen Tarifkatalog.

Die Quellen im Überblick

Quelle Land Was drin ist Preise Lizenz Zugang
NDW DOT-NL NL alle öffentlichen Ladepunkte, Status, Tarife im Format OCPI 2.2.1 ja laut NDW-Website CC0, für den Datensatz noch schriftlich zu bestätigen Dateidownload ohne Anmeldung
MobiData BW (OCPDB) DE, bundesweit Ladepunkte aus BNetzA-Register und Mobilithek-Feeds (EnBW, Eco-Movement, chargecloud, Wirelane u. a.) ja, ausdrücklich als Ad-hoc gekennzeichnet je Teilquelle CC0 oder CC BY 4.0 offene API
Mobilithek DE einzelne AFIR-Angebote der Betreiber je Angebot je Angebot, meist CC0 oder CC BY 4.0 bei unserer Prüfung 14 von 77 Angeboten ohne Konto abrufbar
BNetzA-Ladesäulenregister DE Stammdaten: Standort, Leistung, Stecker, Bezahlsysteme nein CC BY 4.0 Download
Fintraffic Digitraffic FI Ladepunkte, Status, Tarife ja CC BY 4.0 offene API
NOBIL NO, SE Ladeorte, Status nein, kein Preisfeld CC BY 4.0 laut NOBIL API-Schlüssel auf Antrag

Eine Besonderheit in den Niederlanden: Die Tarife in DOT-NL sind formal nicht als „ad hoc“ markiert. Bei 98.978 von 101.477 Tarifen ist das Typfeld leer. Weil DOT-NL der Zugangspunkt für die AFIR-Meldungen ist und Betreiber wie IONITY ihre Tarife dort ausdrücklich „ADHOC“ nennen, gehen wir davon aus, dass es die Säulenpreise sind. Formal belegt ist das nicht, und das schreiben wir auch so in unsere Methodik.

In Deutschland ist MobiData BW die bequemste Quelle, obwohl der Name nach Baden-Württemberg klingt. Die Datenbank enthält bei unserem Abruf 101.763 Standorte in Deutschland und kennzeichnet alle 1.091 Tarife als Ad-hoc-Preise. Tesla-Preise fehlen dort, sie liegen aber anonym abrufbar in der Mobilithek.

Unsere Messung: eine Urlaubsstrecke Richtung Niederlande

Wir wollten keine Landesstatistik, sondern eine praktische Frage beantworten: Wenn ich auf einer typischen Urlaubsfahrt von Norddeutschland in die Niederlande fahre, wie oft kenne ich vorher den Preis?

So haben wir gemessen (24.10.2026, Rohdaten und Skripte im Projekt):

  1. Strecke als Linie über Wegpunkte: Hamburger Süden, Bremen, Oldenburg, Leer, Groningen, Drenthe, Zwolle. Rund 309 km Luftlinie über die Teilstücke.
  2. Puffer 10 km links und rechts.
  3. Gezählt: Ladepunkte (EVSE) mit mindestens einem Gleichstromstecker ab 50 kW, nicht als entfernt gemeldet.
  4. Deutschland aus MobiData BW, Niederlande aus NDW. Doppelte Einträge (dieselbe Säule aus BNetzA-Register und Betreiberfeed) zusammengeführt: gleiche EVSE-ID zählt einmal, BNetzA-Einträge im Umkreis von 60 m um einen Feed-Standort fallen weg.
  5. „Mit Preis“ heißt: Der Tarif am Stecker lässt sich auflösen.

Ergebnis:

Land Schnellladepunkte ab 50 kW mit Preis Anteil Standorte mit Preis
Niederlande 432 428 99,1 % 81 von 81
Deutschland 1.221 617 50,5 % 131 von 309 (42,4 %)
Deutschland mit Tesla-Preisen aus der Mobilithek 1.221 683 55,9 %

Die Zusammenführung der deutschen Daten ist unscharf, weil die Koordinaten im BNetzA-Register teils deutlich abweichen. Mit größerem Radius steigt der Anteil: 150 m ergeben 54,9 %, 300 m 57,9 %, 500 m 61,3 %. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Deshalb schreiben wir „rund die Hälfte“ und nicht eine Zahl mit Nachkommastelle als Tatsache.

Nach Abschnitten wird das Muster deutlich: Zwischen Hamburger Süden und Bremen hatten 262 von 438 Ladepunkten einen Preis, zwischen Oldenburg und Leer 106 von 282, zwischen Leer und der Grenze nur 30 von 106. Auf der niederländischen Seite hatten von Groningen bis Zwolle 343 von 347 einen Preis.

Wer fehlt

Im deutschen Teil der Strecke fehlten die Preise vor allem bei diesen Betreibern (Ladepunkte ohne Preis):

Betreiber ohne Preis
EWE Go (inkl. EWE Go Hochtief) 266
Tesla (Preis nur über die Mobilithek, nicht in MobiData) 66
E.ON Drive 36
SolarLoader+ 30
EDEKA-MIHA Charge 27
Vattenfall Smarter Living 22
Pfalzwerke 20
ALDI Nord 16

Vollständig mit Preis waren unter anderem EnBW (163), Aral pulse (104), Vattenfall InCharge (45), Mer (41), IONITY (38), Allego (34), Shell (30), Lidl (30) und Fastned (16).

Die unabhängige Auswertung von Hocsy.eu kommt bundesweit zu einem ähnlichen Bild. Sie zählt Ladepunkte ohne Preis je Betreiber in den Mobilithek-Daten; EWE Go steht dort mit 593, E.ON Drive mit 1.438. Hocsy weist selbst darauf hin, dass die Ergebnisse „keine verbindliche Bewertung einzelner Betreiber“ sind. Ob ein Betreiber gegen eine Pflicht verstößt, beurteilen wir nicht. Es kann technische, vertragliche oder zeitliche Gründe geben, die wir nicht sehen.

Die Verbraucherzentrale Bundesverband schrieb im Juli 2026, dass „noch immer nicht alle CPO der Verpflichtung nachgekommen“ sind und es „nach wie vor noch keine App, die alle ad-hoc-Ladepreise anbietet“, gibt (vzbv, S. 6). WATTWEG wird das nicht ändern. Wir zeigen nur ehrlich, wo die Lücke ist.

Was trotz der Lücke trägt

Eine wichtige Zahl aus der Messung: Zwischen zwei Standorten mit offenem Preis lagen entlang der ganzen Strecke nie mehr als 18,8 km. Das gilt auch, wenn man nur Schnelllader ab 150 kW zählt. Die größte Lücke liegt zwischen Leer und der Grenze. Wer will, findet also immer eine Säule mit bekanntem Preis, ohne großen Umweg.

Für die größte Lücke hilft der Katalog. EWE Go meldet seinen Ad-hoc-Preis nicht in die offenen Daten, nennt ihn aber in der FAQ: 0,84 €/kWh an eigenen Säulen (EWE Go, abgerufen 24.10.2026). Den Preis mit der kostenlosen EWE-Go-App (0,52 €/kWh) kennen wir ebenfalls. Beides steht auf der EWE-Go-Tarifseite.

Was das für WATTWEG heißt

Aus der Messung folgt unser Produktversprechen, und es ist bewusst bescheiden: Wir zeigen den Preis, den der Betreiber offen meldet, mit Quelle und Alter. Wo keiner gemeldet ist, steht „nicht gemeldet“. Dazu kommen deine eigenen Karten und Katalogpreise mit Beleg. Den Satz „für jede Säule den Ad-hoc-Preis“ würden wir in Deutschland nicht schreiben, weil er nicht stimmt.

Die App zeigt je Land, wie gut die Abdeckung ist, und hält sich an feste Regeln: Ad-hoc-Daten älter als 48 Stunden gelten als veraltet, Katalogpreise älter als 60 Tage ebenfalls. Wie wir die Daten verarbeiten, steht auf der Seite Quellen und Lizenzen, wie wir prüfen, in der Methodik.

Häufige Fragen

Sind Ladepreise in Deutschland öffentlich?

Der Ad-hoc-Preis muss es sein: Seit dem 14. April 2025 müssen Betreiber ihn kostenlos über eine Schnittstelle bereitstellen, die über den nationalen Zugangspunkt Mobilithek erreichbar ist (AFIR Art. 20). In der Praxis fehlt er bei vielen Betreibern. Preise von Ladekarten sind davon nicht erfasst.

Warum hat WATTWEG für manche Säulen keinen Preis?

Weil der Betreiber ihn nicht in den offenen Daten meldet und ihn auch nicht anderswo veröffentlicht. Dann zeigen wir „Preis nicht gemeldet“. Raten oder eine Null einsetzen machen wir nicht.

Enthält das Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur Preise?

Nein. Es enthält Stammdaten wie Standort, Leistung, Stecker und Bezahlsysteme, aber keine Preise und keine Verfügbarkeit. Die Bundesnetzagentur weist außerdem darauf hin, dass es nicht lückenlos ist.

Wie aktuell sind die offenen Preise?

Seit dem 14. April 2026 sollen dynamische Daten wie der Ad-hoc-Preis spätestens eine Minute nach einer Änderung aktualisiert sein. Die NDW-Tarifdatei wurde bei unserer Messung täglich neu erzeugt, die Standortdatei etwa halbstündlich.

Quellen

  1. AFIR Artikel 20, deutscher Wortlaut, gesetze.legal (abgerufen 24.10.2026)
  2. Verpflichtung conform Uitvoeringsverordening EU 2025/655 (DATEX II, Aktualisierungsfristen), NDW
  3. NDW Open Data (DOT-NL), Nationaal Dataportaal Wegverkeer (abgerufen 24.10.2026)
  4. MobiData BW OCPDB, Quellen und Lizenzen, MobiData BW (abgerufen 24.10.2026)
  5. Mobilithek, Bundesministerium für Verkehr
  6. Ladesäulenkarte und Ladesäulenregister (CC BY 4.0), Bundesnetzagentur
  7. Auswertung CPO AFIR fehlende Preisangaben (Stand AFIR-Daten 24.10.2026 06:08, CC BY 4.0), Hocsy.eu
  8. AFIR modernisieren, öffentliches Laden einfacher machen (Stellungnahme), Verbraucherzentrale Bundesverband (28.07.2026)
  9. Fintraffic Digitraffic AFIR (Finnland), Fintraffic
  10. EWE Go FAQ (Ad-hoc-Preis 0,84 €/kWh), EWE Go (abgerufen 24.10.2026)