Der offene Ladetarif-Katalog: Methode und Mithilfe
72 Ladetarife, 402 Regeln, jede Zahl mit Quelle: Wie der WATTWEG-Katalog entsteht, was wir bewusst nicht tun, wo die Lücken sind und wie du mithelfen kannst.
Auf einen Blick
- Der WATTWEG-Tarifkatalog enthält 72 Tarifprodukte mit 402 Preisregeln aus Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Schweden und Norwegen, dazu 79 Betreibergruppen (Stand 24.10.2026, Version 2026-10-24.1).
- Jede Zahl hat einen Beleg: Link zur Anbieterseite, Abrufdatum und eine Notiz zur Fundstelle. Aggregatoren, andere Apps und Vergleichsportale sind als Quelle ausgeschlossen.
- Der Katalog ist offen: als Webseiten unter /tarife/ und als Datei unter /data/catalog.json. Lizenz vorgeschlagen: CC BY 4.0, noch nicht entschieden.
- Einen gepflegten, offenen und maschinenlesbaren Katalog von Ladekarten-Tarifen für Deutschland oder die Niederlande haben wir bei unserer Recherche nicht gefunden. Das ist der Grund, warum es diesen gibt.
Ladepreise von Betreibern sind seit 2025 offene Daten, zumindest auf dem Papier. Preise von Ladekarten und Apps sind es nicht. Wer wissen will, was seine EnBW-Karte an einer Aral-Säule kostet, liest Tarifseiten, Fußnoten und PDF-Preisblätter, oft mit widersprüchlichen Angaben. Wir haben das für die wichtigsten Anbieter einmal gründlich gemacht, mit Beleg für jede Zahl, und stellen das Ergebnis offen zur Verfügung. Hier steht, wie.
Warum ein eigener Katalog nötig ist
Die AFIR verlangt von Ladekarten-Anbietern, dir vor dem Laden „alle geltenden Preisinformationen“ durch „frei zugängliche, weitverbreitete elektronische Mittel“ zu zeigen (Art. 5 Abs. 5). Das heißt: in der App oder auf der Website. Es heißt nicht: als offener Datensatz. Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert deshalb, dass auch Kartenanbieter ihre Tarife an den nationalen Zugangspunkt melden (vzbv, Juli 2026). Bis das geltendes Recht ist, falls es kommt, bleibt nur die redaktionelle Arbeit.
Es gibt kommerzielle Tarifdatenbanken. Ihre Nutzungsbedingungen verbieten typischerweise die Weitergabe und das Zwischenspeichern; bei Chargeprice etwa steht eine Vertragsstrafe je Datenpunkt in den API-Bedingungen. Für eine App, die rechnen soll, ohne an Anbieter gebunden zu sein, ist das keine Grundlage.
Die Methode in acht Regeln
- Nur Primärquellen. Tarifseite, Preisblatt, FAQ oder AGB des Anbieters. Dazu zählen auch Daten, die die Anbieterseite im Browser ohne Login lädt, etwa die Länderauswahl bei IONITY, Allego und Fastned oder die Tarifblätter von Elli.
- Keine privaten Schnittstellen. Kein Login, keine App-API, kein Umgehen von Sperren. Vor jedem Abruf prüfen wir die
robots.txt. Weist eine Seite den Abruf ab, erfassen wir den Anbieter nicht und schreiben das so hin. - Belegpflicht. Jedes Produkt mit dem Status „geprüft“ hat mindestens einen Beleg mit URL, Abrufdatum und Notiz. Bei PDFs steht der Stand des Blatts und der Anfang einer Prüfsumme.
- Nichts schätzen. Fehlt ein Preis, steht „Preis nur in der App“ oder „nicht veröffentlicht“. Eine Spanne steht nur dort, wo der Anbieter selbst eine nennt. Berechnete Werte, etwa 10 % Rabatt auf einen veröffentlichten Preis, sind als „berechnet“ markiert.
- Mehrdeutigkeit, teurer Wert. Widersprechen sich Angaben, nehmen wir den für dich teureren Wert und zeigen eine Warnung. Beispiel: ADAC nennt für fremde AC-Säulen eine Blockiergebühr ab 120 Minuten, Aral ab 360 Minuten. Im Katalog stehen 120.
- Drei Tarifklassen. A: fester Preis je kWh. B: Formel auf den Säulenpreis (typisch in den Niederlanden). C: Preis nur in der App.
- Betreibergruppen über amtliche IDs. Welche Säule zu welchem Betreiber gehört, ordnen wir über die Operator-IDs aus den Registern zu (BDEW in Deutschland, Benelux IDRO, Energimyndigheten in Schweden, Færdselsstyrelsen in Dänemark). In der öffentlichen Datei fehlen die IDs vorerst, weil die Register keine ausdrücklichen Nachnutzungsbedingungen haben.
- Verfall. Preise mit Prüfdatum älter als 60 Tage gelten als veraltet. Aktionspreise mit Enddatum fallen nach dem Enddatum automatisch heraus.
Wie eine Regel aussieht
Das Format lehnt sich an das Tarifmodell von OCPI 2.2.1 an, dem Standard, mit dem Betreiber und Anbieter Tarife austauschen. Eine Regel sagt: Wo gilt sie (Betreibergruppe, Land, AC oder DC, Leistung), was kostet es (kWh-Preis, Minutenpreis, Startgebühr, Blockiergebühr) und seit wann. Die Regeln eines Produkts werden von oben nach unten geprüft, die erste passende gilt.
Ein Beispiel aus dem Katalog, EWE Go Ladetarif, vereinfacht:
| Reihenfolge | Wo | Preis | Blockiergebühr |
|---|---|---|---|
| 1 | Säulen von EWE Go | 0,52 €/kWh | keine |
| 2 | alle anderen in Deutschland | 0,62 €/kWh | ab 240 min 0,10 €/min, max. 24 € |
| 3 | alles Übrige | Preis nur in der App | keine Angabe |
Beleg: Tarifseite ewe-go.de, abgerufen am 24.10.2026, mit der Fußnote zur Blockiergebühr. So steht es auch auf der EWE-Go-Tarifseite.
Was im Katalog steht
| Bereich | Produkte | Beispiele |
|---|---|---|
| Deutschland | 21 | EnBW S, M, L und Vorteils-Tarife; EWE Go Vertrag und ad hoc; MAINGAU; ADAC e-Charge; Aral pulse; Shell Recharge; Vattenfall InCharge; Lidl Plus; Pfalzwerke; ALDI Nord |
| Niederlande | 9 | ANWB (2), E-Flux (2), Tap Electric (4), Vattenfall InCharge |
| Mehrere Länder | 31 | IONITY je Währung, Elli für deutsche, norwegische und schwedische Verträge, Allego, Fastned, Plugsurfing, Electroverse |
| Schweden | 5 | Circle K, Mer, Vattenfall InCharge |
| Norwegen | 5 | Circle K (2), Mer, Recharge (2) |
| Dänemark | 1 | Clever Go, Preis nur in der App |
Ad-hoc-Preise von Betreibern stehen nur dann im Katalog, wenn der Betreiber sie nicht in die offenen Daten meldet, aber auf seiner Website nennt. EWE Go ist das wichtigste Beispiel.
Was fehlt und warum
Ehrlichkeit gehört zur Methode. Diese Anbieter haben wir am 24.10.2026 nicht erfasst:
- E.ON Drive: Die Websites antworteten mit einer Sicherheitsabfrage beziehungsweise einem Zugriffsfehler. Wir haben die Sperre nicht umgangen. Priorität hoch.
- Tesla Supercharger (Mitgliedschaft): Zugriffsfehler. Die Ad-hoc-Preise an Superchargern kommen in Deutschland offen über die Mobilithek. Priorität hoch.
- EDEKA, Kaufland: Zugriffsfehler oder keine zentrale Preisseite.
- Shell Recharge Niederlande: keine Ladepreise auf der Website, nur „in der App“.
- Eneco, Bonnet, MAB Laadpas (NL): Seite nicht erreichbar oder Abruf laut
robots.txtnicht erlaubt. - IONITY-Jahresabos: widersprüchliche Seitendaten.
Die vollständige Liste steht in der Methodik.
Auffälligkeiten, die wir gefunden haben
Beim Erfassen sind uns Widersprüche begegnet, die wir offen weitergeben, weil sie dich an der Säule betreffen können:
- EnBW nennt auf derselben Seite für fremde Säulen einmal 56 bis 89 ct, in einer FAQ 59 bis 89 ct.
- Bei Elli Premium kostet IONITY in Deutschland 0,48 €/kWh, mehr als im günstigeren IONITY Ultra (0,42 €).
- Die Elli-Kündigungsfrist steht auf der Seite mit 14 Tagen, in den Seitendaten mit einem Tag.
- Die Aral-Beispielrechnung für DC nennt 360 Freiminuten, die Tabelle darüber 45.
- Shell nennt in einer Fußnote eine Transaktionsgebühr von 0,35 € je Ladevorgang, ohne zu sagen, wofür sie gilt.
- Vattenfall InCharge in Deutschland nennt 0,44 € oder 0,49 € je Standort; welcher gilt, steht nur in App oder offenem Feed.
Wie wir den Katalog aktuell halten
Ein Prüfjob ruft jede Belegseite höchstens einmal am Tag ab und vergleicht einen Fingerabdruck des Inhalts. Ändert sich etwas, entsteht eine Aufgabe zur Prüfung. Der Job ändert keine Preise. Ein Mensch oder ein Redaktionsagent prüft und trägt mit neuem Beleg nach. Jede Datei soll mindestens alle 30 Tage gegengeprüft werden, Anbieter mit stillen Änderungen alle 14 Tage.
Wie du mithelfen kannst
- Preis an der Säule melden. In der App unter „Preis melden“ oder über die Support-Seite. Wichtig sind Säulennummer, Datum, Uhrzeit, Anbieter-App und ein Screenshot. Meldungen landen getrennt von geprüften Preisen. Zwei übereinstimmende Meldungen innerhalb von sieben Tagen lösen eine Prüfung aus. Massenimporte aus anderen Apps nehmen wir nicht an.
- Fehler im Katalog melden. Wenn eine Zahl auf einer Tarifseite nicht mehr zur Anbieterseite passt, schick uns den Link.
- Als Anbieter liefern. Wir laden alle Kartenanbieter ein, ihre Preise als OCPI-Tarif oder als einfache CSV bereitzustellen. Dafür gibt es Quellenangabe und Zeitstempel in der App, aber keinen Ranking-Vorteil.
- Die Daten nutzen. Wenn du den Katalog für ein eigenes Projekt nutzt, sag uns Bescheid. Solange die Lizenz nicht entschieden ist, frag bitte vorher.
Was der Katalog nicht ist
Er ist kein Ersatz für den Preis, den dir der Anbieter vor dem Start anzeigt. Er ist eine sorgfältige, belegte Momentaufnahme, die dir sagt, was du ungefähr zahlen wirst, und dich warnt, wo die Angaben unklar sind. Die Seiten dazu findest du unter /tarife/, die Regeln je Netz unter den Netzseiten, zum Beispiel IONITY. Wie wir offene Betreiberdaten auswerten, erklärt Woher Ladepreise kommen.
Häufige Fragen
Woher stammen die Preise im Katalog?
Ausschließlich von den Tarifseiten, Preisblättern, FAQ oder AGB der Anbieter selbst. Vergleichsportale, andere Apps und Blogs dienten höchstens als Hinweis, wo wir suchen. Aus ihnen haben wir keine einzige Zahl übernommen.
Unter welcher Lizenz steht der Katalog?
Das ist noch nicht entschieden. Vorgeschlagen ist CC BY 4.0 mit der Namensnennung „WATTWEG-Tarifkatalog, Stand …“. Vor der Entscheidung klären wir noch, ob die Operator-IDs aus den amtlichen Registern weitergegeben werden dürfen.
Wie melde ich einen falschen Preis?
Mit einer konkreten Beobachtung: Säulennummer, Datum, Uhrzeit, Anbieter-App und ein Screenshot des angezeigten Preises. Solche Meldungen landen getrennt von geprüften Preisen und lösen ab zwei übereinstimmenden Meldungen eine redaktionelle Prüfung aus.
Werden Anbieter, die Daten liefern, bevorzugt?
Nein. Wer einen Feed liefert, wird mit Quelle und Zeitstempel genannt, bekommt aber keinen Ranking-Vorteil.
Quellen
- WATTWEG-Tarifkatalog als JSON, WATTWEG
- AFIR Artikel 5 Absatz 5, deutscher Wortlaut, gesetze.legal (abgerufen 24.10.2026)
- OCPI-Spezifikation (Modul Tariffs), EVRoaming Foundation
- Chargeprice API: Nutzungsbedingungen, Chargeprice (GitHub)
- BDEW Codevergabe, aktive E-Mobility-IDs, BDEW
- Benelux IDRO, ID-Register, Benelux IDRO
- AFIR modernisieren, öffentliches Laden einfacher machen (Stellungnahme), Verbraucherzentrale Bundesverband (28.07.2026)