EN (English)
Menü

Roaming oder ad hoc: Warum dieselbe Säule anders kostet

An einer EnBW-Säule kosten 40 kWh zwischen 15,60 € und 33,20 €, je nach Karte. Woher die Unterschiede kommen und wie du die günstige Variante findest.

Auf einen Blick

  • Ad hoc zahlst du den Preis des Säulenbetreibers direkt. Beim Roaming lädst du mit der Karte eines anderen Anbieters, der seinen eigenen Preis festlegt.
  • An einer EnBW-Schnellladesäule kosten 40 kWh laut Katalog und offenem Feed (Stand 24.10.2026) zwischen 15,60 € (EnBW L, 11,99 € Grundgebühr) und 33,20 € (Elli Premium). Ad hoc sind es 31,60 €.
  • Roaming ist nicht automatisch teurer: Mit der kostenlosen EWE-Go-App kosten dieselben 40 kWh dort 24,80 €.
  • Der Verbraucherzentrale Bundesverband schreibt, dass manche Kartenpreise „zum Teil deutlich über dem jeweiligen Ad-hoc-Ladepreis liegen“ (vzbv, Juli 2026).

Beim Tanken zahlst du an der Zapfsäule den Preis an der Tafel, egal mit welcher Karte. Beim Laden ist das anders. Dieselbe Säule, derselbe Strom, dieselbe Uhrzeit, und trotzdem zahlt der eine Fahrer die Hälfte vom anderen. Das wirkt willkürlich, hat aber eine nachvollziehbare Mechanik. Wenn du sie kennst, sparst du ohne zusätzliche Abos.

Drei Rollen an einer Säule

An jedem Ladevorgang sind bis zu drei Parteien beteiligt:

  1. Der Betreiber der Säule (Charge Point Operator, CPO). Er verkauft Strom an der Säule und setzt den Ad-hoc-Preis.
  2. Dein Kartenanbieter (Mobilitätsdienstleister, MSP oder EMP). Er hat einen Vertrag mit dir und setzt deinen Preis.
  3. Oft eine Roaming-Plattform dazwischen, über die Betreiber und Kartenanbieter abrechnen.

Lädst du ad hoc, gibt es nur Rolle 1. Lädst du mit der Karte des Betreibers an dessen eigener Säule, sind 1 und 2 dieselbe Firma. Lädst du mit einer fremden Karte, sind es zwei oder drei Firmen, und jede rechnet ihren Teil ein. Was der Betreiber dem Kartenanbieter für deine Ladung berechnet, sehen wir als Kunden nicht. Wir sehen nur den Endpreis.

Das Beispiel: 40 kWh an einer EnBW-Schnellladesäule

Nimm eine EnBW-Schnellladesäule in Norddeutschland, zum Beispiel in Weener oder Scheeßel. Im offenen Ad-hoc-Feed (MobiData BW, Quelle EnBW, CC BY 4.0) steht dort 0,6639 € netto je kWh, mit 19 % Umsatzsteuer also 0,79 €/kWh. Dazu kommt laut Feed eine Zeitkomponente von 0,2017 € netto pro Minute ab Minute 30, das sind brutto rund 0,24 €/min. Jetzt dieselben 40 kWh mit verschiedenen Karten, alle Preise aus unserem Katalog, Stand 24.10.2026:

Wie du bezahlst Preis je kWh 40 kWh Grundgebühr Blockiergebühr laut Tarif
EnBW L 0,39 € 15,60 € 11,99 € im Monat ab 4 Std., 0,10 €/min, max. 12 €
EnBW M 0,46 € 18,40 € 5,99 € im Monat wie L
EnBW S 0,56 € 22,40 € keine wie L
EWE Go Ladetarif (Partnersäule) 0,62 € 24,80 € keine ab 4 Std., 0,10 €/min, max. 24 €
ADAC e-Charge (fremde Säule) 0,75 € 30,00 € keine (ADAC-Mitglied) DC ab 45 min, 0,15 €/min
Ad hoc mit Bankkarte 0,79 € 31,60 € keine laut Feed ab 30 min, rund 0,24 €/min
Aral pulse Klassik (fremde Säule) 0,79 € 31,60 € keine DC ab 45 min, 0,15 €/min
MAINGAU Hochpreis 0,82 € 32,80 € keine DC ab 60 min, 0,10 €/min, max. 12 €
Elli Premium (EnBW-Sonderpreis) 0,83 € 33,20 € 17,99 € im Monat DC ab 30 min, 0,25 €/min

Rechnung jeweils: 40 kWh × Preis je kWh. Grundgebühren sind nicht eingerechnet, weil sie sich auf alle Ladungen eines Monats verteilen.

Was die Tabelle zeigt:

  • Der Säulenbetreiber gibt seinen eigenen Kunden den besten Preis. Das ist bei fast allen großen Betreibern so.
  • Eine fremde Karte kann günstiger sein als ad hoc, wie EWE Go hier mit 0,62 €.
  • Eine fremde Karte kann teurer sein als ad hoc, wie MAINGAU und Elli Premium. Elli führt die EnBW-Säulen im Premium-Tarifblatt ausdrücklich mit einem Sonderpreis über dem Standardpreis von 0,69 €.
  • Der Zeitanteil zählt mit. Ad hoc läuft an dieser Säule laut Feed ab Minute 30 eine Minutengebühr. Wer 40 Minuten lädt, zahlt 10 × 0,24 € = 2,40 € dazu. Mit der EnBW-Karte selbst wäre das erst nach vier Stunden fällig.

Warum die Preise so auseinanderliegen

Ein Teil ist schlicht Geschäftsmodell. Betreiber wollen Kunden in die eigene App holen, also geben sie dort Rabatt. Kartenanbieter ohne eigene Säulen müssen einkaufen und wollen etwas verdienen. Und wo der Betreiber dem fremden Anbieter viel berechnet, gibt der Anbieter das an dich weiter.

Wie groß diese Einkaufspreise sind, ist selten öffentlich. Ein Einblick kam im Oktober 2026 vom Landgericht München I. Im Streit zwischen DCS und EWE Go ging es laut Auto Bild darum, dass EWE Go dem Anbieter DCS 0,84 €/kWh berechnete, während eigene Vertragskunden 0,52 €/kWh zahlten. Den Aufschlag von 0,32 €/kWh, rund 60 Prozent, sah das Gericht nicht als verhältnismäßig an. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, eine Begründung liegt noch nicht vor.

Die Rechtsgrundlage dafür ist AFIR Art. 5 Abs. 3: Betreiber dürfen „nicht zwischen Endnutzern und Mobilitätsdienstleistern oder zwischen verschiedenen Mobilitätsdienstleistern diskriminieren“. Eine Differenzierung ist erlaubt, aber nur, wenn sie „verhältnismäßig und objektiv gerechtfertigt“ ist. Was das in Zahlen heißt, klären gerade Gerichte. Setzt sich die Münchner Linie durch, dürften Roaming- und Ad-hoc-Preise näher zusammenrücken. Das ist meine Einschätzung, keine Rechtsauskunft.

Für die Kartenanbieter selbst gilt Artikel 5 Absatz 5. Ihre Preise müssen „angemessen, transparent und nichtdiskriminierend“ sein, und sie müssen dir vor dem Laden alle Preisbestandteile „durch frei zugängliche, weitverbreitete elektronische Mittel“ zeigen, einschließlich der Roamingkosten. Zusätzliche Entgelte für grenzüberschreitendes Roaming sind verboten.

Drei Arten von Kartenpreisen

In unserem Katalog unterscheiden wir drei Klassen, weil sie sich unterschiedlich gut vorhersagen lassen:

  • Klasse A, fester Preis: Der Anbieter nennt einen kWh-Preis je Netz oder Zone. Beispiele: EWE Go (0,52 € eigene, 0,62 € Partnersäulen), ADAC e-Charge (0,55 € an Aral pulse, 0,75 € sonst), MAINGAU mit drei Preisstufen.
  • Klasse B, Formel auf den Säulenpreis: Der Anbieter reicht den Preis der Säule durch und schlägt etwas auf. Typisch in den Niederlanden: ANWB ohne Aufschlag plus 0,89 € Start, Tap Electric plus 10 Prozent. Mehr im Niederlande-Guide.
  • Klasse C, Preis nur in der App: Der Anbieter zeigt den Preis je Ladepunkt nur in seiner App. Plugsurfing schreibt seit dem 19.11.2025: „You now see exact prices for each charger in the Plugsurfing app.“ Electroverse legt die Tarife laut AGB selbst fest und zeigt sie in der App. EnBW nennt für fremde Säulen nur eine Spanne von 0,56 bis 0,89 €/kWh.

Für Klasse C können wir dir vorher keine Zahl nennen. WATTWEG zeigt dann „Preis nur in der App“ und, wenn der Anbieter selbst eine veröffentlicht, die Spanne.

So findest du die günstige Variante

  1. Kenne die Betreiber auf deinen Strecken. In Weser-Ems ist es oft EWE Go, an Autobahnen IONITY, Aral pulse, EnBW, Fastned oder Tesla. Die kostenlose App des häufigsten Betreibers ist fast immer günstiger als ad hoc an dessen Säulen.
  2. Prüfe den Ad-hoc-Preis. Er steht an Schnellladern ab 50 kW an der Säule und, wenn der Betreiber ihn meldet, in Apps wie WATTWEG.
  3. Vergleiche mit deinen Karten. Bei Festpreisen geht das vorher. Die Netzseiten zeigen je Netz, was welche Karte kostet.
  4. Bei Klasse C: App vor dem Start öffnen. Der Preis muss dort vor Ladebeginn stehen (AFIR Art. 5 Abs. 5).
  5. Rechne die Zeitkomponente mit. Ein niedriger kWh-Preis mit früher Blockiergebühr kann teurer sein als ein höherer ohne. Details im Artikel Blockiergebühren.

Was das für Gelegenheitslader heißt

Du musst kein Tarifexperte werden. Zwei Regeln reichen für die meisten Fahrten: An Säulen eines Betreibers, dessen kostenlose App du hast, lädst du mit dieser App. An allen anderen vergleichst du den Ad-hoc-Preis mit dem Preis deiner Universalkarte und nimmst den kleineren. Ein Abo brauchst du dafür nur, wenn du oft im selben Netz lädst; die Grenze rechnet der Artikel Brauche ich ein Ladetarif-Abo? aus.

WATTWEG macht diesen Vergleich an der Säule automatisch, mit den Karten, die du in der App als „startklar“ hinterlegt hast. Eine Karte, die du nicht hast, steht nie vor einer Option, die du sofort nutzen kannst. Und an keiner Empfehlung verdienen wir mit.

Häufige Fragen

Was bedeutet Roaming beim Laden?

Du lädst mit der Karte oder App von Anbieter A an einer Säule von Betreiber B. Die Anbieter rechnen untereinander ab, meist über eine Roaming-Plattform. Den Preis, den du zahlst, legt dein Kartenanbieter fest.

Ist Roaming immer teurer als ad hoc?

Nein. An einer EnBW-Schnellladesäule liegt der Ad-hoc-Preis laut offenem Feed bei 0,79 €/kWh, mit der EWE-Go-App sind es dort 0,62 €/kWh. Mit MAINGAU (0,82 €) oder Elli Premium (0,83 €) zahlst du an derselben Säule mehr als ad hoc.

Dürfen Anbieter für Roaming im EU-Ausland extra kassieren?

Laut AFIR Art. 5 Abs. 5 dürfen Mobilitätsdienstleister keine zusätzlichen Entgelte für grenzüberschreitendes e-Roaming erheben. Das verbietet keinen höheren Preis im Ausland, aber einen gesonderten Aufschlag nur für das Ausland.

Wo sehe ich, was meine Karte an einer bestimmten Säule kostet?

Bei Festpreis-Tarifen auf der Tarifseite des Anbieters oder in unserem Katalog. Bei Tarifen mit Preisen je Ladepunkt (Plugsurfing, Electroverse, EnBW an fremden Säulen) nur in der App des Anbieters, vor dem Start.

Quellen

  1. AFIR Artikel 5 Absätze 3 und 5, deutscher Wortlaut, gesetze.legal (abgerufen 24.10.2026)
  2. MobiData BW OCPDB (Ad-hoc-Tarife, u. a. EnBW CC BY 4.0), MobiData BW (abgerufen 24.10.2026)
  3. EnBW mobility+ Ladetarife, EnBW (abgerufen 24.10.2026)
  4. EWE Go Ladetarif, EWE Go (abgerufen 24.10.2026)
  5. ADAC e-Charge, ADAC (abgerufen 24.10.2026)
  6. Aral Preisblatt Klassik & Extra, Preise bei Fremdanbietern (Stand 18.05.2026), Aral
  7. MAINGAU Autostrom, MAINGAU Energie (abgerufen 24.10.2026)
  8. Elli Tarifblatt Premium (gültig ab 3.7.2026), Elli
  9. Plugsurfing: Pricing changes in Germany, Plugsurfing (abgerufen 24.10.2026)
  10. Urteil zu Roaming-Gebühren beim Elektroauto-Laden, Auto Bild (10.10.2026)
  11. AFIR modernisieren, öffentliches Laden einfacher machen (Stellungnahme), Verbraucherzentrale Bundesverband (28.07.2026)